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Auslöser für das Thema Lampenfieber in diesem Newsletter war ein Frühlingsspaziergang am Fundort des Homo heidelberggensis in der Nähe von Heidelberg. An diesem fast mystischen Ort habe ich mir dann vorgestellt, wie dieser Mann vor 600 000 Jahren hier an einer Flussschleife des Neckars auf Jagd gegangen ist. Für ihn war es überlebenswichtig, dieses Lampenfieber zu haben.

Denn sein psycho – biologisches Programm veranlasste die vermehrte Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin. Dies wiederrum bewirkte, dass sein Körper in einen höheren Spannungszustand versetzt wurde. Und dieser Schutzmechanismus  war wichtig, um  in dieser lebensbedrohlichen Situation das Richtige zu tun.

Auch wenn wir nicht mehr für unser nacktes Überleben zur Jagd müssen, und hoffentlich auch nie mehr in einen Krieg ziehen müssen, funktioniert dieser Schutzmechanismus genauso noch heute. Und wir alle erleben und spüren diesen Affekt auch heute noch, weil er in unserem Reptiliengehirn gespeichert ist.
Dann ist das doch eigentlich eine tolle Sache, wenn wir wissen, dass da irgendetwas ist, das uns im Notfall zur Verfügung steht.

Leider fühlt es sich aber zunächst nicht toll an. Das Phänomen Lampenfieber erleben nicht nur Schauspieler, Musiker oder Sänger.  Alle Menschen, die in eine Art Prüfungssituation- ob Rede, Vortrag oder Präsentation gehen – kennen dieses Stressgefühl. Jeder allerdings ein bisschen anders. Typische Symptome sind Herzklopfen, Erröten, Zittern, emotionale Beklemmungen, weiche Knie, starke körperliche Anspannung, Unkonzentriertheit. Zu viel davon wirkt sich auf unsere modernen Leistungen sehr störend aus.

Und das passiert nicht nur Anfängern, sondern vor allem- ja, vor allem den Profis. Denn diese gehen mit sehr hohen Erwartungen- vor allem an sich selbst – in die Präsentation oder den Vortrag. Der hohe Erwartungsdruck kann dann vorübergehend zu den oben beschriebenen Symptomen führen.
Und dann passieren die „Fehler“ – der Musiker würde sagen  „Patzer“. Die Hände sind feucht, die Stimme zittert, Sie reden zu schnell, der Mundraum wird trocken,  Sie verlieren den roten Faden, kommen aus dem Konzept. Viele Menschen in Führungspositionen beschreiben diesen Gemütszustand auch als Rede- oder Sprechangst.
Folgende Tipps oder Anregungen sollen Ihnen den Umgang mit Lampenfieber erleichtern

1. Lampenfieber ist ursprünglich ein körperlicher Kampf-Flucht-Reflex. Am besten können Sie ihm dann auch körperlich entgegen wirken. Sobald vorher oder auch während des Vortrags Stressgefühle aufkommen, bewegen Sie sich.  Vorher hilft ein kurzer Spaziergang, Armkreisen, Hopsa Lauf …einfach eine moderate Bewegung. Damit haben Sie Kampf oder Flucht simuliert und der Adrenalinspiegel reduziert sich. Beim Vortragen oder in schwierigen Gesprächen sollten Sie auch hier aufkommenden Symptomen mit einem Positionswechsel entgegen wirken

2. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung. Machen Sie vor der Präsentation oder dem Auftritt ein paar tiefe, bewusste Atemzüge. Legen Sie dazu Ihre Handfläche auf Bauchnabelhöhe. Die Hände sollten sich beim Atmen mit der Bauchdecke bewegen. Die Bauchatmung nimmt auch wieder Druck heraus. Diese Ruheatmung ist dann auch bei Sprechpausen während des Vortrages wichtig.

3. Machen Sie sich klar: Keiner, der eine Rede vor Publikum hält oder etwas vor einer interessierten Zuhörerschaft präsentiert, begibt sich in Lebensgefahr.
Nehmen Sie eine positive Grundhaltung zu der vermeintlich bedrohenden Situation ein. Im Fachjargon heißt das „Positive Affirmation“. Hilfreich ist es sich selbst Mut zuzusprechen. Ihre innere Haltung kann lauten: „Ich freue mich auf diese Herausforderung!“  Das dürfen Sie auch laut immer wieder zu sich sagen. Sie werden spüren, dass das Ihre Anspannung löst und Sie sich leichter fühlen.

Und das Allerwichtigste ist „Üben, üben, üben“.
Scheuen Sie sich nicht davor, möglichst viel zu präsentieren. Nur so lernen Sie mit Lampenfieber umzugehen. Ausschalten können Sie es nicht, aber mit etwas Übung können Sie es austricksen und reduzieren.

Denn ein leichtes Lampenfieber kann zu Ihrem Erfolg beitragen: Adrenalin in der richtigen Dosis schärft Ihre Sinne, lässt Sie hellwach sein und Sie sind bereit für neue Herausforderungen.